IHL-Forum mit Pastor Hirokazu Matsuoka

Vortrag des ehemaligen buddhistischen Priesters Hirokazu Matsuoka

BAD LIEBENZELL. Am 10. September fand im Missions- und Schulungszentrum der Liebenzeller Mission (LM) das erste Forum der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL) im akademischen Jahr 2014/2015 statt, zu dem der japanische Pfarrer Hirokazu Matsuoka eingeladen wurde.

Durch den Abend begleiteten der Leiter der Forschungsstelle für Interkulturalität und Religion und Professor für Interkulturelle Theologie der IHL, Prof. Dr. Jürgen Schuster, der zwischen 1983 und 1998 mit seiner Familie Missionar in Japan war, und der LM-Missionar Thomas Beck, der in der Regel mit seiner Familie in Japan lebt und zurzeit im Reisedienst in Deutschland ist. Thomas Beck übersetzte für Hirokazu Matsuoka und führte in den Abend ein mit der Aussage, dass „Hirokazu Matsuoka ein Beispiel dafür sei, dass das Evangelium keine Grenzen kenne“.

Hirokazu Matsuoka erzählte den ca. 80 Besuchern seine bewegende Geschichte. Er wurde in Tokio geboren, wo seine Familie eine buddhistische Priesterfamilie war, die eine von 90 Tempelanlagen in einem Tempelgebiet Tokios leitete. Nachdem ihn Fragen über den Sinn des Lebens umtrieben, fing er ein Studium zum buddhistischen Priester in Tokio an. Er erzählte, dass ihm als Teil des Studiums als erstes eine Glatze geschoren wurde und dass er im Laufe der Zeit immer wieder schwierige asketische Übungen, wie die 3000-malige Anbetung Buddhas durchführen musste. Letztendlich fand er jedoch keine Antworten auf seine Fragen. Als er 1989 als Austauschstudent nach Korea ging, hatte er immer noch viele offene Fragen über den Sinn des Lebens. In Seoul bekam er zufällig Kontakt zu Christen, die ihn in einen Weihnachtsgottesdienst einluden. Diese Begegnung führte dazu, dass er als buddhistischer Priester für einige Monate an einem christlichen Bibelkreis teilnahm, um die christliche Lehre kennenzulernen. Im Rahmen dieses Bibelkurses begegnete ihm Gott auf eine Art und Weise, die ihm jeden Zweifel über die Existenz Gottes nahm und im Frühjahr 1990 zu seiner Bekehrung führte. Hirokazu Matsuoka brach sein Priesterstudium gegen den Willen seiner Familie und seiner Professoren ab, arbeitete zunächst für einige Jahre in einer japanischen Firma und absolvierte später eine Ausbildung an einem Theologischen Seminar in Japan. Heute ist er Pastor der Nozomi-Gemeinde in der Saitama Präfektur und viel unterwegs zu Vorträgen über Buddhismus und Christentum. Seit 1991 lebt er wieder mit seiner Frau und seinen Kindern in Japan.

Den Gästen des IHL-Forums erläuterte Matsuoka Hirokazu ebenso kulturelle Gegebenheiten in Japan wie auch theologische Unterschiede zwischen Buddhismus und Christentum. So sagte er, dass der Buddhismus eine negative Weltsicht hätte, wo alles nur seinen Lauf hätte: Geboren werden und Sterben. Im Christentum dagegen bewegt ihn bis heute der Bibelvers im 1. Mose 1:31: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag“. Am Anfang und am Ende ist bei Gott alles perfekt; daraus schöpft er seine Freude.

Interessenten, welche die Geschichte Hirokazu Matsuokas ebenso hören wollen, sind eingeladen, zum Herbstmissionsfest am Sonntag, den 14. September 2014 um 15:15 Uhr in das Festzelt auf den Missionsberg der Liebenzeller Mission zu kommen, wo ein Interview mit Hirokazu Matsuoka geführt wird.

Die Internationale Hochschule Liebenzell steht unter der Trägerschaft der Liebenzeller Mission und genießt seit 2011 den Hochschul-Status. Die Hochschule setzt einen besonderen Schwerpunkt auf das „Studieren mit weltweitem Horizont“, wodurch Studierende schon früh ein interkulturelles Verständnis entwickeln sollen.

Hirokazu Matsuoka und sein Übersetzer Thomas Beck im IHL-Forum. Foto: IHL/Wehner, 2014.

Hirokazu Matsuoka und sein Übersetzer Thomas Beck im IHL-Forum. Foto: IHL/Wehner, 2014.