IHL-Symposium 2022

Wie viel Moral verträgt der Mensch?

18.–19. März 2022,
Bad Liebenzell

Wie viel Moral verträgt der Mensch?

An der Schnittstelle zwischen Theologie und Sozialwissenschaften scheint sich in den letzten Jahren ein interessanter Paradigmenwechsel zu ereignen. Waren in moralischer Hinsicht früher häufig Kirche und Theologie im Verdacht, ihre Weltsicht und Normen übergriffig auszuweiten, während die Wissenschaften eine „neutrale“ und „werturteilsfreie“ Herangehensweise gegen zu viel Moral verteidigten, scheinen heute die Sozialwissenschaften und vorgelagerte gesellschaftliche Handlungsfelder moralisch aufgeladen, während die Theologie schweigt oder den Diskursen der anderen folgt. Diese Beobachtung beschränkt sich nicht auf den wissenschaftlichen Bereich: Moral ist allgegenwärtig, Bereichsethiken (Bioethik, Medizinethik, Unternehmensethik u. v. a. m.) und Ethik-Kommissionen haben Hochkonjunktur, „Haltung“ wird allenthalben gefordert. Wichtige gesellschaftspolitische Debatten wie die Frage sozialer und ökologischer Verantwortung, die Migrationsthematik, die Problematik des Klimawandels und Digitalisierungsdiskurse verweisen deutlich auf Vorstellungen des „guten Lebens“, mithin auf moralische Forderungen.

Vor diesem Hintergrund fragt das IHL-Symposium 2022: Wieviel Moral verträgt der Mensch? Geleitet von der grundsätzlichen Wertschätzung orientierender Vorgaben für menschliches Zusammenleben fragen Experten aus Theologie und Sozialwissenschaften auch nach dem Überforderungspotential von Moral. Dazu gehören Fragen wie: Welche Bedeutung kommt Moral in menschlichen Gesellschaften zu, resp. soll ihr zukommen? Wie lässt sich Moral begründen? Welche Rolle spielen theologische oder säkulare Sichtweisen im Hintergrund moralischer Forderungen? Wer hat Interesse an Moral und aus welchen Gründen? Woher rührt die immer häufiger zu beobachtende Hypertrophierung moralischer Ansprüche? Wo wird Moral für ihr fremde Zwecke instrumentalisiert? In welchen gesellschaftlichen Debatten zeigen sich moralische Ansprüche und Forderungen gegenwärtig besonders? Schließlich: Was kann Moral leisten, worin ist sie ggf. überfordert und wo überfordert sie den Menschen als solchen?“

Programm

Freitag, 18. März

9:00 Uhr
Anmeldung & Kaffee

9:30 Uhr
Begrüßung

9:45 Uhr
Vortrag

  • Prof. Dr. Christoph Raedel:
    Zur Moralisierung gesellschaftlicher Diskurse. Ein Debattenphänomen in theologisch-ethischer Perspektive

11:15 Uhr
Vortrag

  • Dr. Sandra Kostner:
    Die neue Werteordnung einer moralisierten Wissenschaft: intellektuelle Unterwerfung statt intellektueller Freiheit

12:30 Uhr
Mittagessen

14:30 Uhr
Vortrag

  • Prof. Dr. Roland Deines:
    Die gesetzliche Überforderung des Menschen – Warum der Mensch an seinem eigenen Anspruch scheitert

15:45 Uhr
Kaffee & Kuchen

16:15 Uhr
Vortrag

  • Prof. Dr. Harald Jung:
    Simul justus et peccator – Die grundlegende Rechtfertigungsbedürftigkeit des Menschen

18:15 Uhr
Abendessen

20:00 Uhr
Vortrag

  • Prof. Dr. Henning Wrogemann:
    Interreligiöser Dialog als Gegenstand moralischer Wertung. Beobachtungen zum Bereich Kirche – Islam – Gesellschaft in Deutschland

Samstag, 19. März

9:00 Uhr
Kaffee

9:30 Uhr
Andacht
Prof. Dr. Volker Gäckle

9:45 Uhr
Vortrag

  • Dr. Kai Funkschmidt:
    Wer rettet die Welt? Säkulare Heilsversprechen in der Umwelt- und Klimabewegung

11:15 Uhr
Vortrag

  • Prof. Dr. Daniel Straß:
    Jeder hat seine Wahrheit! Und wir alle sollten „Haltung zeigen“! Wie passen erkenntnistheoretischer Relativismus und wertebezogene Absolutheitsansprüche zusammen?

12:30 Uhr
Mittagessen

13:45 Uhr
Vortrag

  • Dr. Gerold Lehner:
    Gnadenlose Moral und grenzenlose Freiheit. Gesellschaftliche Trends in theologischer Wahrnehmung

Referenten

Prof. Dr. Roland Deines hat in Basel (FETA und Universität), Tübingen und Jerusalem Theologie studiert, dann in Tübingen promoviert und habilitiert. Ordinierter Pfarrer der Württembergischen Landeskirche. Lehrtätigkeiten an den Universitäten Tübingen, Jena, Beer Sheva (Israel) und zuletzt von 2006–2016 in Nottingham (UK). Seit 2017 Professor für Biblische Theologie und Antikes Judentum an der IHL.

Weitere Informationen:

Dozierendenprofil (IHL)

Dr. Kai M. Funkschmidt, aufgewachsen in Bonn und Paris, Theologiestudium in Göttingen, St. Andrews und Hamburg; Indologiestudium in Bonn, Gemeindepraktika in Südafrika und Schottland; Vikariat in Oberhausen/Rheinland. 1994 Assistent am Lehrstuhl für Ökumene-, Missions- und Religionswissenschaft (Prof. Friedrich Huber) der KiHo Wuppertal, Promotion mit einer Arbeit über Strukturen der “Partnerschaft” in den Beziehungen zwischen Kirchen der Dritten Welt und Europas. 1998 Referent der Kindernothilfe e.V.. 2000 Mission Relations Secretary bei Churches Together in Britain and Ireland. 2007 Beauftragter für Ökumenisches Lernen im Zentrum Ökumene der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. 2011 Wissenschaftlicher Referent der EZW und Herausgeber der Zeitschrift für Religions- und Weltanschauungsfragen – Materialdienst der EZW (https://ezw-berlin.de/html/15.php).

Weitere Informationen:

Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen

Pfr. Prof. Dr. Volker Gäckle (Jahrgang 1964) ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er war von 1995–2005 Studienassistent und -leiter für Neues Testament im Albrecht-Bengel-Haus in Tübingen. Von 1998–2006 war er im Ehrenamt Vorsitzender des CVJM-Landesverbandes Württemberg. Seit 2006 war er Direktor des Theologischen Seminars der Liebenzeller Mission und seit 2011 ist er Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell und Professor für Neues Testament.

Weitere Informationen:

Dozierendenprofil (IHL)

Prof. Dr. Harald Jung ist Ökonom und Theologe. Nach dem Studium in Mainz, Oberursel und Heidelberg und der Promotion an der Univ. Neuchâtel lehrte er an der Univ. Jena. Außerhalb von Forschung und Lehre war er in der Unternehmensberatung und im Coaching tätig. Heute ist er Prof. für Ethik und Soziallehre an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL). Ein wesentliches Anliegen ist ihm die Verbindung von christlich-theologischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive im Blick auf die Bedeutung des Glaubens für Verstehen und Gestaltung des menschlichen Lebens in seinen weltlichen Zusammenhängen.

Weitere Informationen:

Dozierendenprofil (IHL)

Dr. Sandra Kostner studierte Geschichte und Soziologie an der Universität Stuttgart und promovierte an der University of Sydney mit einer vergleichenden Arbeit zum Bildungserwerb der zweiten Generation griechisch- und italienischstämmiger Schüler/innen in Deutschland und Australien. Seit 2010 ist sie Geschäftsführerin des Masterstudiengangs „Interkulturalität und Integration“ an der PH Schwäbisch Gmünd. Während ihrer Promotion arbeitete sie als Lehrbeauftragte am Historischen Institut und am Institut für Jüdische Studien der University of Sydney. Mehrjährige außeruniversitäre Praxiserfahrung erwarb sie unter anderem als Mitarbeiterin in einem Beratungsprogramm für Museen für Far North Queensland und in der Stadtverwaltung Cairns in der Abteilung Kommunalentwicklung / Fachbereich multikulturelle und indigene Angelegenheiten.

Weitere Informationen:

Dozeierendenprofil (PH Schwäbisch Gmünd)

Dr. Gerold Lehner studierte evangelische Theologie in Basel und Wien, lebt und arbeitet in der Evangelischen Kirche in Österreich, zunächst als Pfarrer, dann als Rektor des Predigerseminars und schließlich als Superintendent der Diözese Oberösterreich. Er ist Präsident der Österreichischen Bibelgesellschaft, Mitglied des Theologischen Ausschusses der Synode und publiziert in den Bereichen (österreichische) Kirchengeschichte, Islam und gesellschaftlich/kirchlicher Fragen.

Weitere Informationen:

Evangelische Kirche A.B. Oberösterreich

Prof. Dr. Christoph Raedel hat in Rostock, Halle (Saale), Cambridge und Reutlingen Theologie studiert. Er lehrte von 2005-2014 am CVJM-Kolleg und  der CVJM-Hochschule Kassel. Seit 2014 ist er Professor für Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gießen und leitet das dortige Institut für Ethik & Werte.

Weitere Informationen:

Freie Theologische Hochschule Gießen

Institut für Ethik und Werte

Prof. Dr. Daniel Straß ist Professor für Erziehungswissenschaft an der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL). Der Erziehungswissenschaftler hat nach einem theologischen Fachschulstudium Pädagogik studiert und zu einem Themenbereich der Erwachsenenbildung promoviert. Nach einer Beschäftigung als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pädagogik der Universität Halle-Wittenberg lehrt und forscht Daniel Straß seit 2015 an der IHL und nimmt zudem Lehraufträge an den Universitäten Augsburg und Magdeburg wahr. Schwerpunktthemen für Forschung und Lehre sind erziehungs- und bildungsphilosophische Fragestellungen zu Allgemeiner Pädagogik, Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit.

Weitere Informationen:

Dozierendenprofil (IHL)

Jahrgang 1964, 1985–1991 Studium der Evangelischen Theologie, Geschichte und Philosophie in Oberursel und Heidelberg, 1991-1996 Mitarbeiter und Wissenschaftlicher Hochschulassistent am Institut für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg (Lehrstuhl Prof. Dr. Theo Sundermeier). 1995 Promotion im Fach Missionswissenschaft und Religionswissenschaft. 1996–2002 Vikariat und pastoraler Dienst in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. 2002–2007: Dozent für Missions- und Religionswissenschaft am Missionsseminar des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen (ELM), Hermannsburg; gleichzeitig: Recognized Lecturer of the University of Birmingham (UK) und der Missionshochschule Stavanger (Norwegen). 2005: Abschluss des Habilitationsverfahrens an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg im Fach Missionswissenschaft und Religionswissenschaft. Seit Oktober 2007: Inhaber des Lehrstuhls für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. Seit 2011: Leiter des Instituts für Interkulturelle Theologie und Interreligiöse Studien.

Weitere Informationen:

Institut für Interkulturelle Theologie und Interreligiöse Studien

Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel

Infos

Veranstalter/Tagungsort

Internationale Hochschule Liebenzell
Heinrich-Coerper-Weg 11
D-75378 Bad Liebenzell

Konferenzgebühren

Gesamte Konferenz: 70 Euro
Gesamte Konferenz (ermäßigt): 35 Euro
Tagesteilnahme: 40 Euro
Tagesteilnahme (ermäßigt): 20 Euro

Der ermäßigte Preis gilt für B.A.-Studierende mit gültigen Studierendenausweisen von staatlich anerkannten Hochschulen und Universitäten.

Bitte lesen und akzeptieren Sie unsere Teilnahmebedingungen.

Kontakt

Lucas Wehner, MBA (CBU),
Referent Veranstaltungsmanagement

Telefon: +49 (0)7052 17-7313
Fax: +49 (0)7052 17-7304
E-Mail: veranstaltungen@ihl.eu

Anmeldung

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