Startschuss für christliche Lehrerausbildung – Festakt für neuen Studiengang „Theologie und Deutsch“
BAD LIEBENZELL, 13. Oktober 2026. Mit einem festlichen Abend, hochkarätigen Gästen aus Politik, Kirche und Bildungswesen sowie musikalischen Beiträgen hat die Internationale Hochschule Liebenzell (IHL) die feierliche Eröffnung ihres neuen Studiengangs „Theologie und Deutsch mit Anteilen von Deutsch als Zweitsprache“ (TDZ) begangen. Der Bachelorstudiengang gilt als Pionierprojekt und markiert eine zukunftsweisende Antwort auf den bundesweiten Lehrermangel. Neun Studierende haben im Wintersemester das Studium auf dem Liebenzeller Missionsberg aufgenommen.
Rektor Prof. Dr. Volker Gäckle begründete in seiner Begrüßung den Schritt zur Etablierung des Angebots mit den veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg. Sowohl die Nachqualifizierungsregelung für freie Schulen als auch die Optionen des Direkteinstiegs an öffentlichen Grundschulen hätten den Weg geebnet. Nachdem am 22. Dezember 2023 die Konzeptbestätigung aus dem Kultusministerium eingetroffen war, startete die IHL eine Spendenkampagne, da für den neuen Studiengang zusätzliche Lehrräume gebaut und die Anschubfinanzierung ohne staatliche Mittel gestemmt werden mussten.
Die neu geschaffene Lehrerausbildung ergänzt die typischen Inhalte eines Lehramtsstudiums um eine fundierte theologische Qualifikation. Angehende Lehrkräfte sollen dazu befähigt werden, ihren eigenen Glauben authentisch im Schulalltag zu leben, Wertefragen im Klassenkontext sprachfähig zu begleiten und ihren pädagogischen Auftrag auf ein christliches Fundament zu stellen.
Das Angebot richtet sich dabei gezielt an den Bedarf christlicher Bekenntnisschulen, die ihr Profil nur durch entsprechend geprägte Lehrkräfte aufrechterhalten können. Ein Rechtsprechungsklassiker des Bundesverwaltungsgerichts von 1992 unterstreicht dies: Der Schulalltag einer Bekenntnisschule muss vom jeweiligen Bekenntnis durchdrungen sein, ohne bei den Qualifikationszielen hinter öffentlichen Schulen zurückzubleiben. Auch die Verfassung des Landes Baden-Württemberg gibt bis heute vor, dass die Jugend „in Ehrfurcht vor Gott und im Geiste der christlichen Nächstenliebe“ zu erziehen ist (Art. 12). Während Vorbilder für eine solche konfessionelle Ausbildung etwa in den Niederlanden seit Langem etabliert sind, betritt die IHL in Deutschland damit Neuland.

Hochschulrektor Prof. Dr. Volker Gäckle erzählt die Geschichte des neuen Studiengangs
Das Studienmodell zeichnet sich durch hohe Flexibilität aus: In einer dreijährigen Variante (6 Semester) ermöglicht es den direkten Einstieg an Freien evangelischen Schulen in Verbindung mit einer berufsbegleitenden Nachqualifikation. Die vierjährige Variante (8 Semester) bietet durch die Ergänzung des Faches Sozialwissenschaftlicher Sachunterricht (nach Deutsch und Mathe das stundenintensivste Grundschulfach) im letzten Studienjahr die Voraussetzung für den Direkteinstieg in öffentliche Grundschulen Baden-Württembergs. Nach einer zweijährigen berufsbegleitenden pädagogischen Schulung (analog zum klassischen Referendariat) sowie einem Bewährungsjahr eröffnet dieser Weg sogar die Perspektive einer Verbeamtung. Alternativ ist damit der Übergang in ein lehramtsbezogenes Masterstudium an einer Pädagogischen Hochschule (PH) möglich.
Um die für das Projekt notwendigen Räumlichkeiten und Personalressourcen bereitzustellen, hatte die Trägerschaft eine klare Voraussetzung formuliert: Bis zum Reformationstag 2025 mussten 700.000 Euro an Spendenzusagen vorliegen. Dank der Unterstützung zahlreicher Stiftungen, christlicher Bekenntnisschulen, Gemeinden, privater Förderer und eines Sponsorenlaufs der Studierenden konnte dieses Etappenziel punktgenau erreicht werden. Aktuell beläuft sich der Spendenstand auf über 1,22 Millionen Euro des errechneten Gesamtbedarfs von rund 1,38 Millionen Euro.
Nach der offiziellen Akkreditierung im Dezember 2025 konnte zudem die entscheidende personelle Voraussetzung geschaffen werden: Mit Prof. Dr. Anna Fiona Weiß wurde die Professur für die Didaktik der deutschen Sprache besetzt.Zum 21. September traten die Erstsemester ihr Studium an. In ihrem Antritts-Impulsreferat unter dem Titel „Sprache als Schlüssel zur Bildung“ betonte Prof. Dr. Anna Fiona Weiß die zentrale Bedeutung sprachlicher Kompetenz. Sprache sei nicht nur Kommunikationsmittel, sondern das entscheidende Werkzeug des Denkens und des Weltverstehens. Um chancengerechte Bildung und die Entwicklung einer mündigen Persönlichkeit zu ermöglichen, müsse die Vermittlung von Bildungs- und Fachsprache als fächerübergreifende Querschnittsaufgabe begriffen werden.
Prof. Dr. Wolfgang Stock, ehemaliger Geschäftsführer des Verbandes evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) und wesentlicher Mitdenker der Initiative, beleuchtete in seinem Beitrag „Christliche Schulen als Bildungs- und Hoffnungsorte in einer nachchristlichen Gesellschaft“ die historische Entstehung christlicher Bildungsarbeit. Angesichts aktueller Bildungsstudien wie den PISA-Ergebnissen stellten freie evangelische Schulen wichtige Schutz- und Werteräume dar, in denen Beziehungsarbeit, persönliche Zuwendung und eine tragfähige Orientierung im Vordergrund stünden.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion erörterten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis die vielschichtige Bildungskrise. Hartmut Hühnerbein (Wertestarterstiftung) plädierte dabei für ein starkes Schulklima, neugierig machenden Unterricht und eine ganzheitliche Persönlichkeitsentfaltung der Schüler. Karl Christian Hirsch (MdL) würdigte den Beitrag freier Träger zur Bildungsvielfalt in Baden-Württemberg und betonte die Notwendigkeit, Sprach- und Methodenkompetenzen bereits im frühkindlichen Bereich konsequent zu fördern. Die hohe Nachfrage von Familien nach werteorientierten Schulen unterstrich Jens Geiger (Generalsekretär des VEBS), der von bundesweit rund 25 aktuellen Schulgründungsinitiativen berichtete. Die Bedeutung von Erziehungspartnerschaften zwischen Elternhaus und Schule hob Yvonne Kopp (Grundschulleiterin an der FES Böblingen) hervor. Ingo Rust (Erster Bürgermeister der Stadt Esslingen und IHL-Hochschulratsvorsitzender) betonte wiederum die Agilität und Innovationskraft kleinerer, profilierter Hochschulen. Miriam Beck, Erstsemester-Studentin im neuen Studiengang, zeigte sich schließlich begeistert vom Studienstart im Nordschwarzwald und der gelungenen Verknüpfung von Fachwissenschaft und Pädagogik.

Podiumsdiskussion
Um die Vorgaben für eine erfolgreiche Akkreditierung zu erfüllen, erweitert die IHL ihre Räumlichkeiten und schafft passende Lehrräume für die Anforderungen des Studiengangs. Über die bauliche Zukunft des Geländes informierte Thomas Heid, kaufmännischer Geschäftsführer der Liebenzeller Mission. Um den Platzbedarf des wachsenden Studienbetriebs nachhaltig zu decken, setzt die Hochschule auf eine Aufstockung des bestehenden Heinrich-Coerper-Saals. Durch den Ausbau im Dachbereich entstehen zwei moderne Hörsäle mit 108 bzw. 120 Sitzplätzen. Die Aufstockung nutzt vorhandene Fundamente, verdichtet den Raum auf dem Campus effizient und bietet langfristige Entwicklungsreserven.
Zum Abschluss unterstrich David Jarsetz, Missionsleiter der Liebenzeller Mission, in seinem geistlichen Impuls die Prägekraft des Lehrerberufs. Am Beispiel der historischen Pädagogin Mary McLeod Bethune verdeutlichte er, wie christliche Pädagogik durch Nächstenliebe, Wertschätzung und das Bewusstsein der Würde jedes Einzelnen Lebensläufe nachhaltig verändern kann.


